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Wer die ärztlichen Rat sucht, kommt mit seiner Biografie und Persönlichkeit, mit einer eigenen Geschichte aus Erfahrungen, Erwartungen und Lebensumständen in die Praxis. Als Patientin oder Patient zeigen wir trotzdem meist typische Verhaltensmuster. Die Kommunikation zwischen Behandelnden und Behandelten sollte diesen Typus berücksichtigen: Das kann einer Therapie zu größerem Erfolg verhelfen.

Effekte bei Trainierten

Erst 30 Jahre später und mit neuen Erkenntnissen der Forschung wurden Folgestudien angestoßen, die eindrücklich dokumentieren, wie sich der Placeboeffekt auf sportliche Leistungen auswirkt.

Unter der Vorgabe, den Effekt von Koffein zu untersuchen, erhielten zum Beispiel Trainierte im Radsport ein niedrig- oder hochdosiertes Koffein-Medikament oder ein Placebo. Das glaubten sie zumindest, denn sie bekamen alle Placebos. Bei nachfolgenden Tests verbesserte sich die Leistung der Gruppe mit scheinbar hochdosiertem Koffein deutlich, die der Radlerinnen und Radler mit vermeintlich niedriger Dosis etwas, und die Placebo-Gruppe wurde sogar schlechter. Die Erwartung war also die treibende oder bremsende Kraft.

Eine ausgefeilte Studie an der Standford-Universität wollte herausfinden, wie allein das Wissen über die eigene Fähigkeit die Trainingsleistung beeinflusst. Dafür wurde für jede teilnehmende Person ein Gentest ausgewertet, der die vermeintliche individuelle Prädisposition für körperliche Leistungsfähigkeit zeigte. Diese Tests wurden den Personen aber zugelost. Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmenden mit dem vermeintlich besten Leistungsprofil hielten auf dem Laufband länger durch, fühlten sich fitter und hatten die effizientesten Herz-Kreislauf-Werte. Die Erwartung, besonders leistungsfähig zu sein, beeinflusste sogar den Stoffwechsel.

Erwartungseffekte im Breitensport

Im Breitensport profitieren Menschen psychisch und neurophysiologisch mehr vom Training, wenn sie der Überzeugung sind, dass Sport guttut. Außerdem beeinflussen positive oder negative Informationen den Trainingseffekt. Das ergab eine Studie an der Universität Freiburg mit jungen Erwachsenen. Vor einem 30-minütigen Ergometertraining bekamen einige Filme zu sehen, die die Vorzüge des Radfahrens lobten, sie füllten Fragebögen über ihre Einstellung zu Sport und ihre momentane Stimmung aus. Wer an die gute Wirkung von Sport glaubte oder die positiven Fahrrad-Filme gesehen hatte, entwickelte mehr Vergnügen auf dem Ergometer, die Stimmung verbesserte sich, und war anschließend entspannter als die anderen, eher negativ eingestellten Teilnehmenden. Die positive Erwartungshaltung fördert möglicherweise die Motivation zum Sporttreiben, meinen die Freiburger StudienautorInnen.

Mehr zum Thema Sport und Placebo lesen Sie im Buch „Placebo 2.0 – Die Macht der Erwartung“ von Prof. Bingel, Prof. Schedlowski und Helga Kessler, Verlag rüffer & rub, 2019

Unsere Bitte

Erzählen Sie uns Ihre persönliche Geschichte mit dem Placeboeffekt! Medizin lebt auch von Erzählungen. Deshalb sammeln wir für den Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ die vielfältigen Erfahrungen von Patientinnen und Patienten mit ihren eigenen Erwartungen. Näheres finden Sie hier.