Wie sind Erwartungen, Placebos und Placebo sowie Nocebo-Effekte miteinander verknüpft? © kues1/stock.adobe.com

Wie sind Erwartungen, Placebos und Placebo- wie Nocebo-Effekte miteinander verknüpft? © kues1/stock.adobe.com

Häufig gestellte Fragen

Unser Leben wird von Erwartungen bestimmt. Sie pendeln zwischen Hoffnung und Furcht. Wie positiv oder negativ wir aber diese Erwartungen spüren, ist zu einem großen Teil geprägt durch Erfahrungen, die wir gemacht und uns gemerkt haben. Das gilt für alle Lebensbereiche – auch für die Medizin. Genau mit diesen Erwartungen und Vorerfahrungen gehen PatientInnen zu einem Arzt oder Therapeuten. Schon lange wissen ForscherInnen, dass diese Erwartungen körperliche Symptome, die Schmerzwahrnehmung, den Verlauf einer Erkrankung und den Therapieerfolg beeinflussen können.  Es treten sogenannte Placebo-Effekte auf. In der Forschung wird daran gearbeitet, die genauen psychologischen und neurobiologischen Mechanismen zu klären, um sie systematisch zum Wohle der PatientInnen zu nutzen. Die folgenden Fragen sollen helfen zu verstehen, wie Erwartungen, Placebos und Placebo-Effekte miteinander verknüpft sind.

Was versteht man unter einem Placebo-Effekt?

Der Placebo-Effekt ist eine positive körperliche oder psychische Veränderung nach der Einnahme von Medikamenten ohne jeglichen Wirkstoff oder nach einer Scheinbehandlung, wie z. B. einer simulierten Operation oder einer Infusion mit einer einfachen Kochsalzlösung. Aber auch bei konventionell verordneten, intrinsisch (z. B. pharmakologisch) wirksamen Therapien spielt der Placebo-Effekt eine Rolle: Positive Erwartungen können den Erfolg der Behandlung und die pharmakologische Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen. Der Begriff „Placebo“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ich werde gefallen“.

Literaturempfehlungen

Bingel U, Placebo Competence Team (2014) Avoiding nocebo effects to optimize treatment outcome. Jama, 312(7): 693-694. doi: 10.1001/jama.2014.8342. PubMed

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Bingel U, Schedlowski M, Kessler H (2019) Placebo 2.0: Die Macht positiver Erwartung: Die Macht der Erwartung. Rüffer&Rub Sachbuchverlag

Hansen E, Zech N, Benson S (2020) Nocebo, informed consent and doctor-patient communication. Nervenarzt, 91(8): 691-699. doi: 10.1007/s00115-020-00963-4. PubMed

Klinger R, Schwartz M, Bingel U (2020) Placebo effects in pain therapy. Nervenarzt 91(8): 700-707. doi: 10.1007/00115-020-00942-9. PubMed

Rief W, Bingel U, Schedlowski M, Enck P (2011) Mechanisms involved in placebo and nocebo responses and implications for drug trials. Clin Pharmacol Ther 90(5): 722-726. doi: 10.1038/clpt.2011.204. PubMed

Rief W, Barsky A J, Bingel U, Doering B K, Schwarting R, Wöhr M, Schweiger U (2016). Rethinking psychopharmacotherapy: The role of treatment context and brain plasticity in antidepressant and antipsychotic interventions. Neurosci Biobehav Rev 60: 51-64. doi: 10.1016/j.neubiorev.2015.11.008. PubMed

Schedlowski M, Enck P, Rief W, Bingel U (2015) Neuro-Bio-Behavioral Mechanisms of Placebo and Nocebo Responses: Implications for Clinical Trials and Clinical Practice. Pharmacol Rev 67(3): 697-730. doi: 10.1124/pr.114.009423. PubMed