19 GrundlagenforscherInnen und KlinikerInnen aus Essen, Marburg und Hamburg arbeiten eng verzahnt in 16 Projekten zusammen. © SFB Treatment Expectation

19 Grundlagenforscher und Kliniker aus Essen, Marburg und Hamburg arbeiten eng verzahnt in 16 Projekten zusammen. © SFB Treatment Expectation

Forschungsverbund

Der überregionale DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)-Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio 289) „Treatment Expectation“ untersucht mit einem interdisziplinären Team den Einfluss der Erwartung von PatientInnen auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen.

Der SFB/Transregio 289 stellt sich vor

Warum funktioniert der Placebo-Effekt?

Schon lange wissen ForscherInnen, dass Erwartungen körperliche Symptome, den Verlauf einer Erkrankung und die Wirksamkeit von Therapien beeinflussen können. Es treten sogenannte Placebo-Effekte auf. Eine Kapsel ohne Wirkstoff oder gezielte Informationen des Arztes können nachweislich starke Wirkungen entfalten. Die Behandlungserwartung der PatientInnen (engl.: treatment expectation) ist der Schlüssel zu diesen Effekten.

Diese Erkenntnis birgt großes therapeutisches Potenzial: Wie entstehen Erwartungen und wie lassen sie sich beeinflussen? Können TherapeutInnen mit diesem Wissen die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten und Behandlungen verbessern? Was passiert dabei im Gehirn und welche psychologischen und neurobiologischen Mechanismen liegen dem Effekt zugrunde?

Forschung für eine personalisierte Medizin

Der Forschungsverbund „Treatment Expectation“ bietet die einmalige Chance, diese Fragen in einem interdisziplinären Team unter Leitung der Universität Duisburg-Essen aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen, klinisch und experimentell. Die WissenschaftlerInnen konzentrieren sich zunächst auf zwei Volkskrankheiten: chronische Schmerzen und Depressionen. Später sollen auch Autoimmun- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden.

Der Forschungsansatz ist hochgradig interdisziplinär und translational. Übergeordnetes Ziel ist, die grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisse auf die systematische Anwendung von Erwartungseffekten im klinischen Alltag zu übertragen, um so die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Therapien gezielt zu optimieren.

Sonderforschungsbereiche sind langfristige, auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen WissenschaftlerInnen im Rahmen eines fächerübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten.

Sie ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller, aufwendiger und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben durch Koordination und Konzentration von Personen und Ressourcen in den antragstellenden Hochschulen. Damit dienen sie der institutionellen Schwerpunkt- und Strukturbildung. Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind ausdrücklich erwünscht. Sonderforschungsbereiche bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Teilprojekte. Die Teilprojekte werden von einzelnen oder von mehreren WissenschaftlerInnen gemeinsam geleitet.

Der Sonderforschungsbereich SFB/TRR 289 wird von der DFG für – wie üblich – zunächst vier Jahre mit rund 12 Millionen Euro gefördert.