Unsere eigene Erwartungshaltung hat einen großen Einfluss auf den Erfolg jeder medizinischen Behandlung. Aber wie genau wirken sich positive und negative Erwartungen auf Therapien und ihre Nebenwirkungen aus? Das erfährst du in unserem Quiz.
So funktioniert's:
Rate erst, welche der genannten Antworten richtig und welche falsch sind. Klicke dann auf die Quizkarte – und erfahre, warum du richtig oder falsch geraten hast.
1. Was steigert die Wirkung?
Die Symptome einer Krankheit können sich bessern, auch wenn jemand ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff eingenommen hat – das nennt man Placeboeffekt. Doch auch wenn bei einer Behandlung ein wirksames Medikament verabreicht wird, kann der Placeboeffekt die positive Wirkung des Medikaments noch verstärken. Was begünstigt das Auftreten dieses Effekts?
b) Ein möglichst kurzes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin
c) Positive Vorerfahrungen mit der Behandlung
d) Eine möglichst wenig schmerzhafte Behandlung
b) Ein möglichst kurzes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin
c) Positive Vorerfahrungen mit der Behandlung
d) Eine möglichst wenig schmerzhafte Behandlung
Eine positive Behandlungserwartung ist ein wichtiger Motor für den Placeboeffekt. Diese Erwartungen müssen uns jedoch nicht immer bewusst sein. Frühere Erfahrungen mit einer Behandlung können zum Beispiel auch unbewusst meine Erwartungen beeinflussen. Außerdem ist gute Kommunikation zwischen Behandelnden und Patientinnen oder Patienten wichtig. Dabei geht es weniger um die reine Gesprächslänge, als um die Frage, ob ich mich gut verstanden fühle und zum Beispiel alle meine Fragen beantwortet wurden. Eine schmerzhafte Behandlung verhindert den Placeboeffekt nicht. Im Gegenteil gibt es Befunde, die zeigen, dass eine aufwändigere und invasivere Behandlung mit stärkeren Placeboeffekten verbunden ist: Zum Beispiel wirkt eine Spritze besser als das Einnehmen einer Tablette.
2. Rückenschmerzen
Welche Faktoren beeinflussen die Erwartungshaltung, wenn jemand eine neue ärztliche Praxis aufsucht, um die Rückenschmerzen behandeln zu lassen?
b) Was im Internet über die Behandlung steht
c) Wie die Praxis farblich gestaltet ist
d) Wie gut die Praxis mit dem Auto erreichbar ist
b) Was im Internet über die Behandlung steht
c) Wie die Praxis farblich gestaltet ist
d) Wie gut die Praxis mit dem Auto erreichbar ist
Unsere Erwartungen werden von vielen Faktoren beeinflusst: Was andere Personen uns erzählen, was wir in den Medien, im Internet und auf Social-Media-Plattformen darüber lesen, welche Erfahrungen wir selbst bereits gemacht haben oder auch, welche allgemeinen Ängste und Sorgen und gerade bedrücken. Außerdem spielt die Kommunikation mit dem Arzt oder der Ärztin eine besonders wichtige Rolle; aber auch das Aussehen der Praxis und sogar ihr Geruch kann Einfluss nehmen. Das haben viele Studien gezeigt. Nur die verkehrstechnische Lage der Praxis dürfte nahezu keine Rolle spielen.
3. Wahr oder falsch?
Placebos wirken nur, solange die Menschen nicht wissen, dass sie ein Placebo bekommen. Stimmt das?
b) Das ist falsch.
b) Das ist falsch.
Das stimmt nicht! Es sind inzwischen sehr viele Experimente gemacht worden, in denen Menschen wissen, dass sie ein Placebo bekommen. Und diese Studien zeigen: Placebos können trotzdem wirken. Das Ganze nennt sich „Open Label Placebo“, also offen gegebenes Placebo. Die Forschung daran könnte ein wichtiger Schritt sein, um Placebos ethisch vertretbar in der Medizin einsetzen zu können.
4. Noceboeffekte
Der Noceboeffekt beschreibt das Gegenteil des Placeboeffekts: die Verschlechterung von Symptomen oder das Auftreten von Nebenwirkungen, ohne dass ein Medikament dafür verantwortlich ist. Welche Aussage zu Noceboeffekten ist richtig?
b) Noceboeffekte treten hauptsächlich bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen auf.
c) Behandelnde können durch die Kommunikation mit Patienten und Patientinnen Noceboeffekte hervorrufen.
d) Noceboeffekte treten nur bei Behandlungen mit Medikamenten auf.
b) Noceboeffekte treten hauptsächlich bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen auf.
c) Behandelnde können durch die Kommunikation mit Patienten und Patientinnen Noceboeffekte hervorrufen.
d) Noceboeffekte treten nur bei Behandlungen mit Medikamenten auf.
Behandelnde sollten feinfühlig über mögliche Nebenwirkungen aufklären. Denn allein die Information darüber kann schon dazu führen, dass die Nebenwirkungen wahrscheinlicher auftreten. Trotzdem sind sie natürlich verpflichtet, richtig aufzuklären – diese schwierige Balance zu halten, sollten angehende Ärztinnen und Ärzte schon während des Studiums üben.
Placebo- und Noceboeffekte können gleichzeitig auftreten: So kann ich zum Beispiel eine Symptombesserung bemerken, aber trotzdem Nebenwirkungen spüren, die nicht durch die Behandlung selbst verursacht wurden.
Noceboeffekte treten auch bei Menschen ohne psychische Vorerkrankung auf. Und auch in Behandlungen ohne Medikament (zum Beispiel Psycho- oder Physiotherapie) kann es zu Noceboeffekten kommen.
5. Stimmt's oder nicht?
Ältere Personen erleben stärkere Placeboeffekte, da sie bereits mehr Lernerfahrungen gemacht haben. Ist das wahr oder falsch?
b) Das ist falsch.
b) Das ist falsch.
Klingt logisch, aber das ist falsch! Bei wem Placeboeffekte stärker wirken und bei wem weniger, ist zwar ein wichtiges Thema in der Forschung. Ein klarer Effekt des Alters konnte dabei allerdings nicht gefunden werden.
6. Schwierige Situationen
In welcher dieser Situationen ist es wahrscheinlich, dass jemand einen Noceboeffekt entwickelt?
b) Jemand bekommt ein neues Medikament, weil das alte zu Bauchschmerzen geführt hat.
c) Jemand nimmt ein Kopfschmerzmedikament ein, das eine gute Freundin empfohlen hat.
d) Jemand setzt sein Medikament gegen Depressionen – ein Antidepressivum – ab, hat dabei aber große Angst, ob es auch ohne Medikament klappt.
b) Jemand bekommt ein neues Medikament, weil das alte zu Bauchschmerzen geführt hat.
c) Jemand nimmt ein Kopfschmerzmedikament ein, das eine gute Freundin empfohlen hat.
d) Jemand setzt sein Medikament gegen Depressionen – ein Antidepressivum – ab, hat dabei aber große Angst, ob es auch ohne Medikament klappt.
Der Beipackzettel ist eine wichtige Informationsquelle, aber die Informationen über Nebenwirkungen können unsere negativen Behandlungserwartungen beeinflussen. Genauso werden wir von früheren Lernerfahrungen beeinflusst: Wenn ich nach einer früheren Einnahme eines Medikaments Nebenwirkungen gespürt habe, erwarte ich eher, wieder welche zu erleben. Auch beim Absetzen von Medikamenten kann es zu Noceboeffekten kommen, vor allem wenn das Absetzen mit Angst und Sorgen verbunden sind. Deshalb ist es wichtig, das Absetzen von Medikamenten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu entscheiden und dabei die eigenen Sorgen zu besprechen. Wenn ich dagegen bemerke, dass andere von einer Behandlung profitieren, wirkt sich das eher positiv aus: Das sogenannte Beobachtungslernen kann dann sogar den Placeboeffekt fördern.
7. Symptome
Bei welchen Symptomen bzw. körperlichen Prozessen können Forschende Placebo- und Noceboeffekte beobachten?
b) Allergische Reaktionen
c) Blutzuckerspiegel
d) Stimmung
b) Allergische Reaktionen
c) Blutzuckerspiegel
d) Stimmung
Hier sind tatsächlich alle Antwortmöglichkeiten richtig. Placeboeffekte konnten schon in verschiedensten Bereichen des Körpers und der Psyche nachgewiesen werden. Besonders bekannt ist die schmerzlindernde Wirkung des Placeboeffekts, aber auch unsere Stimmung lässt sich durch eine Placebo-Behandlung verbessern. Denken wir zum Beispiel wegen einer falsch eingestellten Uhr „Jetzt ist Essenszeit!“, kann sich das auf unseren Blutzuckerspiegel auswirken. Und allergische Reaktionen können auch ohne tatsächliches Allergen (wie Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben oder Nickel) zum Beispiel durch frühere Lernerfahrungen ausgelöst werden.
8. Behandlungsgespräch
Behandlungserwartungen können direkt vom Gespräch mit behandelnden Ärztinnen und Ärztinnen beeinflusst werden. Welcher Faktoren spielt dabei KEINE Rolle?
b) Ob ich die behandelnde Person als kompetent wahrnehme
c) Ob die behandelnde Person mir ähnlich ist (also zum Beispiel das gleiche Geschlecht oder die gleiche Hautfarbe hat)
d) Ob ich älter oder jünger bin
b) Ob ich die behandelnde Person als kompetent wahrnehme
c) Ob die behandelnde Person mir ähnlich ist (also zum Beispiel das gleiche Geschlecht oder die gleiche Hautfarbe hat)
d) Ob ich älter oder jünger bin
Die wahrgenommene Wärme und Kompetenz einer behandelnden Person und unsere persönlich wahrgenommene Ähnlichkeit zu ihr beeinflussen meine Erwartungen. Meine eigene Persönlichkeit, also zum Beispiel ob ich älter oder jünger bin, scheint für die Entwicklung von Placebo- und Noceboeffekten weniger relevant zu sein.