Betreuung aus der Ferne: Die Erwartungen einer Patientin an ihre Herz-OP zu optimieren, kann das Ergebnis des Eingriffs verbessern. Aber klappt das auch über das Internet? Foto: ©freepik
Betreuung aus der Ferne: Die Erwartungen einer Patientin an ihre Herz-OP zu optimieren, kann das Ergebnis des Eingriffs verbessern. Aber klappt das auch über das Internet? Foto: ©freepik
Hilft eine internet-basierte Unterstützung Patienten, sich nach einer Herzoperation besser zu erholen?
Herzchirurgische Eingriffe wie Bypass-Operationen oder Herzklappen-OPs sind für Patientinnen und Patienten eine besondere Belastung. Trotz großer medizinischer Fortschritte berichten immer noch viele Betroffene langfristig über eine eingeschränkte Lebensqualität oder anhaltende Beschwerden. Oft lassen sich solche unbefriedigenden Ergebnisse nicht ausreichend durch medizinische Faktoren erklären.
Mittlerweile hat die Wissenschaft gezeigt, dass die Erwartungen der Patienten und Patientinnen vor der Operation einen großen Einfluss auf den Behandlungserfolg haben. Und diese Erwartungen lassen sich verändern: Im Rahmen der „PSY-HEART-I“-Studie konnten Forschende durch eine gezielte Optimierung der Erwartungen von Personen an eine bevorstehende Herzoperation langfristige, gesundheitliche Vorteile bewirken. Sie erreichten das durch eine kurze psychologische Intervention („EXPECT“), die als Face-to-Face-Angebot jedoch nur für einen begrenzten Teil der Patientinnen und Patienten zugänglich war. Wer aus organisatorischen, zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen keine Möglichkeit hatte, zu den Gesprächen zu kommen, konnte an dem Programm nicht teilnehmen.
Lassen sich Erwartungen auch über das Internet optimieren?
Diese Versorgungslücke versucht das affiliierte Projekt AF03 nun zu schließen. Im Rahmen einer neuen Studie („iHEART“) untersuchen die Forschenden, wie sich die erfolgreiche „EXPECT“-Intervention in ein internetbasiertes Format übertragen lässt, das von den Patientinnen und Patienten ebenso akzeptiert wird. Auf diese Weise könnte es gelingen, mehr Menschen psychologisch auf ihre Herzoperation vorzubereiten und gleichzeitig Ressourcen zu schonen.
Die Forschenden vergleichen dabei zunächst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie unterschiedlich intensive psychologische Betreuungsvarianten mit der medizinischen Standardbehandlung. Gleichzeitig werden verschiedene Wege der internet-basierten Kommunikation getestet und die Auswirkungen der Intervention zu mehreren Zeitpunkten bis zu einem halben Jahr nach der Operation untersucht. Die Erfahrungen aus dieser Untersuchung sollen anschließend in eine multizentrische Wirksamkeitsstudie einfließen, um die Effekte der Maßnahmen im großen Rahmen bewerten zu können.
Die Ergebnisse könnten nicht nur Herzoperationen ohne großen Aufwand erfolgreicher machen
Sollten die internetbasierten Interventionen vergleichbare Effekte zeigen wie das Face-to-Face-Format, könnte das ganz neue Möglichkeiten zur Versorgung von Herzpatienten und -patientinnen bieten. Denn Internet-Formate sind nicht nur für die Betroffenen selbst mit weniger Aufwand verbunden, sondern auch für das Gesundheitssystem. So könnten zu relativ geringen Kosten sehr viel mehr Menschen von der psychologischen Betreuung – und damit von potenziell besseren Operationsergebnissen – profitieren. Zudem liegt es nahe, dass die Ansätze auch auf andere medizinische Eingriffe und übertragbar sein könnten.
Rief W, Shedden-Mora MC, Laferton JA, Auer C, Petrie KJ, Salzmann S, Schedlowski M, Moosdorf R. Preoperative optimization of patient expectations improves long-term outcome in heart surgery patients: results of the randomized controlled PSY-HEART trial. BMC Med. 2017 Jan 10;15(1):4. doi:10.1186/s12916-016-0767-3
Compère VN, Balci S, Heinz C, Schade-Brittinger C, Rastan AJ, Salzmann-Djufri M, Niemann B, Boening A, Choi YH, Zarski AC, Laferton J, Euteneuer F, Rief W, Salzmann S. iHEART trial: study protocol for a German multicentre randomised controlled trial on the feasibility and acceptance of an internet-based preoperative intervention to optimise patient expectations and improve outcomes after heart surgery. BMJ Open. 2025 Sep 17;15(9):e092482. doi:10.1136/bmjopen-2024-092482
In enger Zusammenarbeit mit den Projekten
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Projektleitung

Prof. Stefan Salzmann
Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Philipps-Universität Marburg

Prof. Dr. Winfried Rief
Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Philipps-Universität Marburg



