Framing wirkt: Mit welchen Worten eine Ärztin Zahlen zum Bedund erklärt, hat große Auswirkungen darauf, wie ihr Patient diese wahrnimmt. Foto: ©cottonbro studio

 

Framing wirkt: Mit welchen Worten eine Ärztin Zahlen zum Bedund erklärt, hat große Auswirkungen darauf, wie ihr Patient diese wahrnimmt. Foto: ©cottonbro studio

Wie können wir Zahlen und Wahrscheinlichkeiten in der Medizin besser kommunizieren?

In der Medizin stehen Behandelnde häufig vor der Aufgabe, Risiken zu kommunizieren. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Therapie anschlägt? Wie häufig kommt es bei einem Eingriff zu Komplikationen? Welche Nebenwirkungen treten wie oft auf? Derartige Zahlenwerte gehören zur sorgfältigen Aufklärung von Patientinnen und Patienten. Doch je nachdem, wie die Ärztin oder der Therapeut diese Zahlen erklärt, reagieren die Betroffenen darauf sehr unterschiedlich.

Zum Beispiel klingt die Aussage „Die Wahrscheinlichkeit, diese Operation zu überleben, beträgt 99 Prozent“ für die meisten Menschen deutlich weniger besorgniserregend als die mathematisch gleichwertige Formulierung: „Die Wahrscheinlichkeit, bei dieser Operation zu sterben, beträgt ein Prozent“. Das liegt am sogenannten „Framing“: Der erste Satz rückt die hohe Wahrscheinlichkeit in den Vordergrund, dass alles gut wird, – das nennt man positives Framing. Der zweite Satz hingegen richtet die Aufmerksamkeit auf das Risiko, bei der Operation sterben zu können – und obwohl dieses Risiko klein ist, kann ein solches negatives Framing Ängste auslösen oder verstärken.

Klingt „1 von 100“ genauso wie „1 Prozent“?

An dieser Stelle setzt das affiliierte Projekt AF05 an: Es untersucht, wie sich unterschiedliche Formulierungen einer Ärztin oder eines Arztes zum Risiko einer ernsten Erkrankung auf das Verhalten von Freiwilligen auswirken. Dafür messen die Forschenden zum einen, wie groß der Einfluss von positivem und negativem Framing beim Gespräch über einen medizinischen Befund sind.

Zum anderen prüfen sie, inwiefern Häufigkeiten („1 von 100“) und Prozentangaben („1 %“) von den Teilehmenden unterschiedlich aufgefasst werden. Neben der perönlichen Risikoeinschätzung wird dabei auch betrachtet, wie stark das Bedürfnis der Personen nach weiteren medizinischen Tests ist, und ob sie eine zweite ärztliche Meinung einholen möchten.

Sinnvolle Kommunikation von Zahlen kann viel bewirken – ohne zusätzlich Zeit oder Geld zu kosten.

Mit diesem Ansatz hat das Projekt AF05 eine große Relevanz für den medizinischen Alltag – und das, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Denn aus den Ergebnissen lassen sich konkrete Vorschläge ableiten, wie Behandelde ärztliche Befunde so kommunizieren können, dass ihre Patientinnen und Patienten optimal informiert, aber nicht unnötig verunsichert werden. Das gleiche gilt für Aufklärungsgespräche zum Nutzen einer Behandlung und über mögliche Risiken und Nebenwirkungen: Hier kann bewusstes Framing und eine gezielte Wortwahl Nocebo-Effekte minimieren. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Bereitschaft der Patienten und Patientinnen aus, eine sinnvolle Therapie durchzuhalten. Gleichzeitig erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass die Therapie erfolgreich ist.

Kube T, Rief W. Communicating Medical Numbers. JAMA. Published online January 26, 2026. doi:10.1001/jama.2025.23449

Kube T, Riecke J, Heider J, Glombiewski JA, Rief W, Barsky AJ. Same same, but different: effects of likelihood framing on concerns about a medical disease in patients with somatoform disorders, major depression, and healthy people. Psychol Med. 2023 Dec;53(16):7729-7734. doi: 10.1017/S0033291723001654. Epub 2023 Jun 13. PMID: 37309182.

Kube, T., Kelley, J. M., Barsky, A. J., & Glombiewski, J. A. (2026). Effects of likelihood framing on side effect expectations and nocebo side effects: Results from three experimental studies with a placebo analgesic cream. British Journal of Health Psychology, 31, e70055. https://doi.org/10.1111/bjhp.70055

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Prof. Tobias Kube, SFB/TRR 289

Prof. Tobias Kube
Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Universität Frankfurt