Enormer Leidensdruck: Menschen mit Endometriose haben oft starke, chronische Schmerzen. Wie lassen sich die Erfolgsaussichten einer Therapie verbessern? Foto: benzoix auf Magnific

 

Enormer Leidensdruck: Menschen mit Endometriose haben oft starke, chronische Schmerzen. Wie lassen sich die Erfolgsaussichten einer Therapie verbessern? Foto: benzoix auf Magnific

Können wir Erwartungen nutzen, um die Behandlung von Endometriose zu verbessern?

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Sie kommt überwiegend bei Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren vor, aber auch transgeschlechtliche und nicht-binäre Menschen können betroffen sein, wenn sie mit Gebärmutter geboren wurden. Die Erkrankung führt häufig zu starken Schmerzen und anderen Beschwerden, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt.

Erwartungen sind ein bislang wenig erforschter Faktor bei Endometriose

Zwar lässt sich die Endometriose medikamentös und operativ behandeln. Da die Entstehung der Erkrankung bislang nicht geklärt ist, steht jedoch keine ursächliche Therapie zur Verfügung. Die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten werden von den Betroffenen vielfach als unzureichend erlebt. Das affiliierte Projekt AF06 untersucht, ob sich diese Therapieoptionen verbessern lassen, indem man die Erwartungen der PatientInnen gezielt beeinflusst.

Aus anderen Bereichen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass Behandlungserwartungen über Placebo- und Nocebo-Effekte Einfluss auf Behandlungsergebnisse nehmen können. Das gilt etwa bei chronischen Schmerzen, Depressionen oder operativen Eingriffen. Auch bei Endometriose konnte das Team des Projekts AF06 bereits Hinweise darauf sammeln, dass Erwartungen im Zusammenhang mit einer Bauchspiegelung, der sogenannten Laparoskopie, eine Bedeutung für das Behandlungsergebnis haben könnten.

Die „ENDO-EXPECT“-Intervention wird gezielt an die Bedürfnisse von Menschen mit Endometriose angepasst

Unter dem Projektnamen „Erwartungen nutzen zur Verbesserung der Behandlung von Endometriose“, kurz „ENDO-EXPECT“, untersuchen die Forschenden, wie Behandlungserwartungen den Therapieerfolg bei Endometriose beeinflussen und auf welche Weise sie gezielt für eine bessere Versorgung genutzt werden können. Grundlage dafür ist die bestehende „EXPECT“-Intervention, die bereits bei anderen Eingriffen erfolgreich eingesetzt wurde. Sie passen die Forschenden gemeinsam mit Betroffenen mit Erfahrungsexpertise sowie klinischen und wissenschaftlichen Fachleuten an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Endometriose an.

Anschließend wird ENDO-EXPECT zunächst in einer Machbarkeitsstudie qualitativ und quantitativ erprobt. Darauf aufbauend soll eine randomisierte kontrollierte Studie zeigen, ob sich Behandlungserwartungen der Betroffenen gezielt verändern lassen und welchen Einfluss dies auf ihre endometriosebedingten Beeinträchtigungen hat.

Die Ergebnisse könnten Endometriose-Behandlungen verträglicher und erfolgreicher machen

Mit ENDO-EXPECT möchte das Team aus AF06 zeigen, dass sich Behandlungserwartungen gezielt verändern lassen, um den Erfolg einer gängigen Operation zur Behandlung von Endometriose zu verbessern. Auf diese Weise hoffen die Forschenden, ein bislang ungenutztes Potenzial für die Versorgung von Betroffenen erschließen zu können.

Hirsing, N., Meyrose, A. K., Buchweitz, O.*, & Nestoriuc, Y.* (2023). Do expectations determine postoperative disability in women with endometriosis? Study protocol for a clinical mixed-methods observational cohort study. BMJ open, 13(1), e067497. *geteilte Letztautorenschaft

Meyrose, A. K., Basedow, L. A., Hirsing, N., Buchweitz, O., Rief, W., & Nestoriuc, Y. (2024). Assessment of treatment expectations in people with suspected endometriosis: A psychometric analysis. F1000Research, 13, 174.

Hirsing, N., Nestoriuc, Y., Buchweitz, O., & Meyrose, A. K. (2025). Pre-operative expectations in patients with endometriosis–a qualitative interview study. BMC Women's Health, 25(1), 1-12.

In enger Zusammenarbeit mit den Projekten

A04

A04

A15

A15

AF02

Affiliiertes Projekt AF02

A13

A13

A19

A19

AF03

Affiliiertes Projekt AF03

Projektleitung

Dr. Ann-Katrin Meyrose

Dr. Ann-Katrin Meyrose
Psychologin, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg

Prof. Yvonne Nestoriuc

Prof. Dr. Yvonne Nestoriuc
Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg