Ab dem 7. Mai fährt das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft von Berlin aus durch Deutschland und Österreich, erstmals mit einer Station in Polen. Das Thema ist im Wissenschaftsjahr 2026 die Medizin der Zukunft. Passend dazu hat der Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ das Exponat „Die Kraft der Erwartung – Nutze deine körpereigene Apotheke“ für die Ausstellung auf dem Binnenschiff gestaltet. Was sind Placebo- und Noceboeffekte? Welche Hirnregionen sind beteiligt? Und wie können wir die Kraft der Erwartung nutzen? Diese und mehr Fragen soll die interaktive Ausstellung beantworten.
Schwimmendes Science Center: Die MS Wissenschaft bringt das Thema des Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“ in 36 kleine und große Städte in Polen, Deutschland und Österreich.
Wie kann Künstliche Intelligenz dabei helfen, Knochenbrüche zu erkennen? Welche Krebstherapie schont unsere gesunden Zellen? Wie sieht eine Medizin aus, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern stärker berücksichtigt? Und wie kann die Medizin Placeboeffekte nutzen und Noceboeffekte vermeiden, um Therapien noch wirkungsvoller zu machen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung auf der MS Wissenschaft im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft.
Forschende zeigen dort, wie sie mit ihren Ideen und ihrer Arbeit schon heute die Medizin von morgen gestalten. Die Ausstellung nimmt die medizinische Forschung auf drei Ebenen unter die Lupe: von den kleinsten Vorgängen in den Zellen über das Zusammenspiel von Körper, Psyche und neuen Technologien bis zu äußeren Einflüssen von Gesellschaft und Umwelt, die unser Leben prägen.
An rund 30 Exponaten werden Besuchende in der Ausstellung selbst aktiv. Sie können zum Beispiel Medikamente an einem künstlichen Organ testen, ihren Herzschlag mit einer Kamera messen oder virtuell in den Operationssaal der Zukunft eintauchen.
Die Kraft der Erwartung auf dem Ausstellungsschiff
Das Exponat des Sonderforschungsbereichs (SFB/TRR) 289 „Treatment Expectation“ lädt ein, die Kraft der Erwartungseffekte spielerisch selbst zu erfahren. An einem großen Gehirnmodell lernen die Besuchenden, welche Hirnareale für Placebo- und Noceboeffekte entscheidend sind. Außerdem können sie ausprobieren, welche Behandlungen am effektivsten sind, und den Einfluss ihrer eigenen Erwartungen nach einem Arztgespräch direkt selbst testen.
Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte SFB klärt über die Zusammenhänge zwischen den eigenen Behandlungserwartungen und dem Erfolg einer Behandlung sowie auftretenden Nebenwirkungen auf: Positive Erwartungen können Krankheitssymptome lindern und den Erfolg von Therapien unterstützen. Negative Erwartungen hingegen können das Gegenteil bewirken – und zum Beispiel bei Medikamenten mögliche Nebenwirkungen auslösen oder verstärken. Auch was jeder und jede Einzelne tun kann, um für die eigene Gesundheit von Placeboeffekten zu profitieren und Noceboeffekte zu vermeiden, zeigt das Exponat.
„Wir holen die Kraft der Erwartung an Bord und wollen damit neue Ufer der Wissenschaftskommunikation erschließen. Gerade Jugendliche können wir so in unserer Ausstellung ansprechen und ihnen zeigen, wie sie dieses Wissen über Placebo- und Noceboeffekte im Alltag für sich einsetzen können“, freut sich die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Helena Hartmann von der Universitätsmedizin Essen und Projektleiterin im Science-Communication-Projekt des SFB 289. „Wir sind stolz, dass wir über das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt die einmalige Chance erhalten, ein Museumsexponat zu unserer Forschung über Behandlungserwartungen zu entwickeln, das von so vielen Menschen besucht werden wird“, bestätigt Prof. Ulrike Bingel, Leiterin der Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Essen und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs.
MS Wissenschaft mit Placeboeffekten: die Stationen der Tour 2026
Am 7. Mai 2026 startet die MS Wissenschaft ihre diesjährige Tour. Von Berlin aus fährt das Schiff über Brandenburg erstmals nach Polen, wo es in Szczecin (Stettin) anlegt. Nach Stationen an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern fährt das Ausstellungsschiff wieder über Brandenburg nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. In Bayern endet Mitte September die diesjährige Deutschlandtour. Im Anschluss fährt das Schiff weiter nach Österreich. Insgesamt steuert es dieses Jahr 36 kleine und große Städte an (hier geht's zum Tourplan). Die Ausstellung ist in der Regel täglich von 10 bis 18:30 Uhr geöffnet. Schulklassen sind nach Anmeldung ab 9 Uhr willkommen. Der Eintritt ist frei.
Der Besuch der Ausstellung wird ab zwölf Jahren empfohlen. Ergänzend zur Ausstellung gibt es mehrsprachige Audioguides, ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm sowie zahlreiche Workshops für Schulklassen.
Meet the Scientist: Hier beantworten Forschende aus dem SFB Fragen
An einigen Tagen können Besucher Forschende an Bord beim Meet the Scientist treffen. Vom SFB „Treatment Expectation“ werden an allen drei Orten jeweils ExpertInnen an Bord eure Fragen beantworten: Am 11. Juni in Potsdam wird Prof. Johannes Laferton von der HMU Health and Medical University in Potsdam an Bord sein, am 14. Juli in Köln Prof. Ulrike Bingel, Prof. Dr. Sven Benson und Dr. Helena Hartmann von der Universitätsmedizin Essen und am 22. August in Mainz Dr. Marcel Wilhelm von der Universität Marburg.
Foto: Gabriel_Kienast (Retusche) / Wissenschaft im Dialog CC BY-SA 4.0